Ich lebe auf den Philippinen. Nicht im Dschungel, sondern in einem Land, in dem Behörden E‑Mails beantworten, QR‑Codes scannen, digitale Signaturen akzeptieren und verschlüsselte PDFs verschicken, ohne dass jemand in Ohnmacht fällt. Und trotzdem bin ich gezwungen, mit einem Land zu kommunizieren, das sich selbst für eine Industrienation hält: Deutschland. Oder wie ich es nenne: Dummland – das Land, in dem Digitalisierung ein Mythos ist und Faxgeräte als heilige Artefakte verehrt werden.
🧱 Die Deutsche Rentenversicherung – mein Endgegner im Level „Identitätsprüfung“
Ich wollte mein Konto bei der Deutschen Rentenversicherung einsehen. Klingt einfach: Benutzername, Passwort, fertig.
Aber nein. Die DRV sagt: „Zugriff nur mit deutschem Personalausweis mit Online-Funktion.“
Ich habe keinen deutschen Personalausweis. Ich will keinen deutschen Personalausweis. Ich lebe nicht in Deutschland. Aber die DRV bleibt stur: „Dann haben Sie leider keinen Zugriff.“
In Dummland ist ein Login mit Benutzername und Passwort offenbar zu modern. Man setzt lieber auf Plastikkarten mit Chips, die nur funktionieren, wenn man:
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einen Kartenleser besitzt
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die PIN kennt
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die Online-Funktion aktiviert hat
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und den richtigen Treiber installiert hat
Kurz: ein Bossfight, den niemand gewinnen will.
📬 Die 1,25‑€‑Brief-Lotterie
Wenn deutsche Behörden mir etwas schicken wollen, greifen sie zur Deutschen Post International. Ein Auslandsbrief für 1,25 €, der auf den Philippinen ungefähr die gleiche Zustellwahrscheinlichkeit hat wie ein Lottogewinn.
Ich habe mehrfach erklärt, dass FedEx, DHL Express, UPS zuverlässig zustellen. Aber das kostet Geld. Und Geld ist in Dummland wegen der zugereisten Fachkräfte anscheinend knapp.
Also wird weiter der Armeleute‑Brief verschickt – und ich darf raten, ob ein Bescheid, eine Anhörung oder ein Rentenbenachrichtigung unterwegs ist.
🧠 BundID – das digitale Einhorn, das niemand nutzt
Ich habe mein BundID‑Konto aktiviert. Ich habe mein Behördenpostfach eingerichtet. Ich bin bereit.
Aber die Behörden sagen: „Wir können Ihnen leider nichts ins BundID‑Postfach schicken, weil… äh… wir wissen nicht wie.“
Dabei ist die Zuordnung technisch trivial. Die BundID hat eine eindeutige Identität. Die Behörde muss nur wollen.
Aber in Dummland will man lieber Briefe verschicken, die nie ankommen.
🔐 Verschlüsselte PDFs – das große deutsche Trauma
Jetzt kommt der Teil, der mich wirklich zum Lachen bringt:
Ich habe Behörden gebeten, mir sensible Dokumente per E‑Mail zu senden – verschlüsselt. Ein Passwort per separater Nachricht. So wie es jedes normale Land macht.
Die Antwort: „Wir dürfen keine E‑Mails versenden, weil das nicht sicher ist.“
Und jetzt kommt der Plot Twist:
🇵🇹 Portugal – das europäische 4.-Weltland – kann es
Ich habe 3,5 Jahre in Portugal gelebt. Dort verschicken Behörden:
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verschlüsselte PDFs
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digitale Bescheide
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QR‑Code‑Zahlungen
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digitale Signaturen
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E‑Mails, die nicht ausgedruckt werden müssen
In Portugal bekommst du:
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das PDF
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das Passwort per SMS oder es ist deine NIF (Steuernummer)
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und eine freundliche Nachricht, dass du dich melden sollst, wenn etwas unklar ist
In Deutschland bekommst du:
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einen Brief
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der nicht ankommt
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weil er 1,25 € gekostet hat
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und irgendwo zwischen Frankfurt und Manila verdampft ist
Deutschland ist nicht rückständig. Deutschland ist digital traumatisiert.
Wie der Bundeskanzler, Herr Dr. Kohl damals postulierte: „Wird sich das Internet in Deutschland nicht durchsetzen und niemand möchte einen Computer zu haben."
🐸 Behördenlogik – ein Frosch auf Valium
Ich habe ein Beschwerdechreiben wegen eines massiven Datenschutzverstoßes an die/den Bundesbeauftragte(n) für den Datenschutz und die Informationsfreiheit der Bundesrepublik Deutschland geschickt, per Fax. Weil das die einzige Möglichkeit ist, wie man dort kommunizieren kann.
Ich habe darin erklärt:
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dass ich im Ausland lebe
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dass Post nicht ankommt
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dass ich BundID nutze
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dass ich elektronische Kommunikation wünsche
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dass ich ausdrücklich einwillige
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dass ich keine Briefe mehr will
Die Antwort? „Wir prüfen das.“
Natürlich prüfen sie das. In Dummland wird alles geprüft. Nur umgesetzt wird nichts.
🛠️ Die digitale Bronzezeit
Deutschland hat:
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Faxgeräte
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Briefmarken
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PDF‑Formulare zum Ausdrucken, manchmal sogar zum online ausfüllen
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Behörden, die E‑Mails ausdrucken, um sie abzuheften
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Datenschutzbeauftragte, die keine E‑Mails lesen dürfen
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Online-Portale, die nur mit Internet Explorer funktionieren
Aber es hat kein funktionierendes digitales System, das Auslandsdeutsche zuverlässig erreicht.
🧭 Mein Alltag als Auslandsdeutscher
Ich bin:
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der einzige Mensch in meinem Umfeld, der noch Faxe verschickt
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der einzige, der Behördenbriefe nicht bekommt
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der einzige, der ein BundID‑Postfach hat, das niemand nutzt
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der einzige, der PDF‑Formulare per Hand ausfüllt, einscannt und per E‑Mail versendet
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der einzige, der sich fragt, ob Deutschland wirklich ein Industrieland ist? Obwohl macht man sich hier mittlerweile auch schon über Deutschland lustig.
🧨 Mein Fazit
Deutschland ist nicht digital rückständig. Deutschland ist digital verweigert. Es ist nicht Bronzezeit – es ist digitale Steinzeit mit Faxgerät.
Ich habe alles getan:
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BundID aktiviert
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Behördenpostfach eingerichtet
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Einwilligung erklärt
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Fax geschickt
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E‑Mail geschrieben
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Briefe ignoriert
Und trotzdem bleibt Dummland, was es ist: ein Land, das lieber einen 1,25‑Euro‑Brief nach Manila schickt, als eine simple E‑Mail zu öffnen. Während deutsche Behörden noch überlegen, ob man PDFs überhaupt verschlüsseln kann, sieht die Realität hier in der Provinz ganz anders aus.
Als ich am Morgen des 2. Oktober 2025 das Haus übernahm, stand der bestellte Verkaufsberater vor der Tür und bot mir seelenruhig bis zu 1 GB Glasfaser an. Ich musste lachen – nicht aus Freude, sondern weil ich gar keine Hardware besitze, die solche Geschwindigkeiten überhaupt verarbeiten könnte.
Am Nachmittag desselben Tages rollte ein Minivan mit drei Monteuren vor unser Tor. Keine Bürokratie, keine Formulare, keine Identitätsprüfung mit Chipkarte. Sie zogen die Glasfaserleitung, schlossen den Router an, erklärten mir kurz die Bedienung – und am selben Tag hatte ich eine stabile 100‑Mbit‑Glasfaserleitung.
Währenddessen diskutiert man in Deutschland noch, ob man E‑Mails verschlüsseln darf oder ob das Faxgerät nicht doch die sicherere Zukunftstechnologie ist.
📣 Mein Aufruf
Wenn du Auslandsdeutscher bist: Aktiviere dein BundID‑Postfach. Schick ein Fax. Schreib eine E‑Mail. Mach Druck. Und wenn du willst, kopiere diesen Text und schick ihn an deine Behörde.
Hinweis zur elektronischen Kommunikation:
Ich lebe dauerhaft im Ausland und erkläre mich gemäß § 3a VwVfG
ausdrücklich mit elektronischer Kommunikation einverstanden.
Bitte übermitteln Sie Schreiben mit personenbezogenen oder sensiblen
Inhalten ausschließlich elektronisch in verschlüsselter Form oder über
das Behördenpostfach (BundID).
Von einer ungesicherten postalischen Auslandsübersendung bitte ich abzusehen.
Diese Erklärung gilt bis auf Widerruf. – Das habe ich jetzt in meiner E-Mail-Signatur.
Denn irgendwann müssen auch die Frösche in Dummland merken: Die Welt hat sich weitergedreht.
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